UNESCO-Experte Wilfried Posch: "Kremser Stadtregierung gefährdet durch Tiefgaragen-Projekt Weltkulturerbe-Status !"

"Instinktlosigkeit", "Rohheit", "die Zerstörung eines Lebenswerks vieler Generationen" – Ein vernichtendes Urteil stellt Dr. Wilfried Posch, ehemaliger Universitätsprofessor für Stadtbau und Raumordnung in Linz, den neuesten Bauprojekten der Wachaumetropole Krems aus. Posch ist UNESCO-Weltkulturerbe-"Wächter" für die Wachau und die Altstadt Krems und wurde von der IG Südtirolerplatz zu einem Vortrag ins Cafe Klinglhuber geladen.

 

Im Dezember 2000 wurde der Stadt Krems das UNESCO-Weltkulturerbe verliehen, und nicht nur Posch sieht dieses Gütesiegel durch Bauvorhaben wie die Landesgalerie in Stein oder durch die umstrittene Tiefgarage auf dem Südtirolerplatz gefährdet. Eine Tiefgarage, wie sie beispielsweise auch in Wien auf dem Heldenplatz Anfang der 90er geplant war (und durch Ex-Wissenschaftsminister Busek unbelohnterweise verhindert wurde), sei verkehrstechnisch sinnlos und zerstöre das historische Stadtbild. 

 

Der Südtirolerplatz werde durch die geplanten Ein- und Ausfahrtsrampen dem "Mariandl" angepasst, das am Friedhof seinen "richtigen Platz" habe, das Steinertor als Wahrzeichen der Stadt Krems werde durch die riesige Plattenwüste deklassiert. Der riesige, künstlich geschaffene Platz diene nur dazu, mit lärmintensiven "Events der Spaßgesellschaft" bespielt zu werden. Deren Sinnhaftigkeit mehr als bezweifelt werden kann, denn Märkte, Konzerte oder Public Viewings auf der vermeintlichen "Piazza" ziehen dann die Besucher aus der Altstadt, schaden den ohnehin durch Frequenzschwund angeschlagenen Einzelhandels- und Gastronomiebetrieben und nützen nur einem, dem Investor der Tiefgarage und Betreiber des EKZ Steinertor, der zusätzlich noch den zukünftig straßenbefreiten Brauhof-Biergarten neu beleben will.

 

Stadtbauexperte Dr. Posch wirft der Stadt Krems eklatante Konzept- und Planlosigkeit vor. "Dekorationen ersetzen Konzepte nicht", man diskutiere über die Muster der Plattenwüste anstatt einen fundierten urbanen Entwicklungsplan zu erstellen. "Marktradikalismus" sei wichtiger als Ästhetik, Kultur und Integration in das historisch gewachsene Stadtbild.

 

Laut einer aktuellen SPD-Studie sprechen sich 82 % der Bürger gegen Autostädte aus. "Neue Mobilität" im Sinne von Fußgänger- und Fahrradverkehr liegt im Trend. Auch in Krems besteht keine Notwendigkeit einer neuen Tiefgarage, nicht einmal die bestehenden Stellplätze in den Parkgaragen sind voll ausgelastet. Vor allem eine Aussage von Bürgermeister Resch betreffend das stets kapazitätsfreie Parkdeck Bahnzeile verwundert Posch. "Da müssen´s ja 400 Meter gehen", so der ausgebildete Arzt, dem eigentlich Gesundheit und Fitness der Bürger mehr am Herzen liegen sollten als Lärm, Staus und Abgase.

 

Die Kremser Stadtpolitiker wollen anscheinend "unter dem Ladentisch" parken und gefährden damit nicht nur das UNESCO-Weltkulturerbe der Stadt Krems, sondern auch den sozialen Frieden. Gemäß einer NÖN-Umfrage sprachen sich 87 % der Teilnehmer gegen das Projekt Südtirolerplatz Neu aus, ein Grund mehr, warum eine verbindliche Volksbefragung seitens der rot-schwarz-grünen Gemeindepolitiker strikt abgelehnt wurde. Noch gibt es aber rechtliche Möglichkeiten, dieses Himmelfahrtsprojekt zu stoppen. Man kann nur hoffen, dass sie wirkungsvoll sind. Der 1020 Jahre alten Stadt Krems, seiner Bürger, Freunde und Gäste zuliebe.

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