Heumarkt-Areal: 73 m hoher Turm als Zerstörer des UNESCO-Weltkulturerbes ?

Die prächtige Ringstraße feiert dieses Jahr ihr 150. Jubiläum. Zur gleichen Zeit planen ein Privatinvestor und vermutlich lobbygesteuerte Stadtpolitiker einen Anschlag auf das UNESCO-Weltkulturerbe Innere Stadt.

 

Ein 73 m (!) hoher Turm mit Luxuswohnungen soll direkt vor dem alten Hotel Intercontinental (dem ersten Großhotel nach dem 2. Weltkrieg) errichtet werden, das selbst von 44 auf 50 Meter erhöht werden soll. Als "Bonmot" für die Stadt sollen der Eislaufplatz renoviert und ein neuer Turnsaal gebaut werden. Die sonstigen Informationen über das Projekt halten sich in Grenzen.

 

Nicht nur die Initiative Stadtbildschutz, sondern auch Umweltaktivisten und prominente Architekten laufen Sturm gegen das Siegermodell des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld, das so gar nicht in die historische Silhouette Wiens passt. So müsste aufgrund des Projekts sogar die erst modernisierte Lothringerstraße, also öffentlicher Grund, verlegt werden, damit ein renditeorientierter Privatunternehmer dort Luxuswohnungen an Reiche verkaufen könne. Auch sei der Baumbestand des benachbarten Stadtparks gefährdet, da die nötige Durchlüftung nicht garantiert sei. Die Höhe des Turms, dreimal so hoch wie der Ringstraßenblock, sei absolut unangemessen, so führende Architekten wie Gustav Peichl oder Friedrich Achleitner.

 

Laut der TV-Sendung "Bürgeranwalt", in der Proponenten und Gegner erstmals öffentlich aufeinandertrafen, wird aktuell über die Flächenwidmung verhandelt. Die Projektgegner haben die Möglichkeit, dagegen Einwendungen zu erheben. Beschlossen wird der Flächenwidmungsplan im vielleicht schon neuen Gemeinderat. Man kann nur hoffen, dass die 100 Wiener Abgeordneten diesem Stadtentwicklungs-Fauxpas keinen Sanktus geben. Vorerst kann noch gefeiert werden, direkt unter dem Hotel Intercontinental im kultigen "Sand of the City"-Party-Areal.

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