„Backbeats of the Nowhere Boys“ – John Lennons wilde Jugendjahre.

Im Nirgendwo wohnen die Genies, wahrscheinlich gehöre ich dorthin” - Ob autorisiert oder nicht, dieses Zitat aus dem brandneuen Kinofilm „Nowhere Boy“ über die zerrüttete Jugend John Lennons zeigt bereits das Selbstbewusstsein und die Motivation des Liverpooler Mittelklasse-Jugendlichen, es ganz nach oben zu schaffen und größer als Elvis zu werden. Grundlage des Films ist das Buch Imagine This: Growing Up With My Brother John Lennon von Lennons Halbschwester Julia Baird.

 

Regisseurin Sam-Taylor-Wood (42), die seit der Verfilmung mit dem 23 Jahre jüngeren Hauptdarsteller Aaron Johnson (19) ein Paar (!) ist und eine Tochter geboren hat, beschreibt allerdings in dem leicht melodramatisch angehauchten Kinostreifen nicht nur die Anfänge der Beatles, sondern auch die schwierige Beziehung des Jung-Lennon zu seiner Pflegemutter und Tante Mimi (Kristin Scott-Thomas) und seiner echten Mutter Julia, die ihn mit 5 Jahren im Stich gelassen hat. „Rock´n Roll bedeutet Sex“ – letztere, die von Lennon als „Seelenverwandte“ bezeichnet wurde und über die er einst – ödipal fixiert (?) - sagte „als ich unabsichtlich ihre Brust berührte, da hätte ich sie haben können“, inspiriert ihn zur Gründung einer Skiffle Band namens „Quarrymen“, die vorerst auf kleinen Festen und Parties auftritt.

 

Bei einem Pfarrfest lernt er Paul McCartney kennen, der ihn mit der fehlerfreien Wiedergabe eines Eddie Cochrane-Songs beeindruckt. Kurz später stößt George Harrison während eines Konzertes dazu. Privat allerdings kommt es zu einem Drama – erst kürzlich kennengelernt, wird seine echte Mutter bei einem Verkehrsunfall getötet. Auf dem College of Arts lernt John Lennon Stu Sutcliffe kennen, der in die Band integriert wird. Die Band, die sich jetzt „The Beatles“ nennt, bekommt überraschend einen Vertrag aus einer Hamburger Bar – der Abschied aus der Hafenmetropole Englands naht.

 

Hier endet „Nowhere Boy“ und beginnt „Backbeat“, ein Kinofilm aus dem Jahre 1994, in der nicht so sehr John Lennon, sondern Stu Sutcliffe und seine Liebesbeziehung zur Hamburger Fotografin Astrid Kirchherr (sexy-distanziert gespielt von Twin Peaks-Leiche Sheryl Lee) im Mittelpunkt stehen. Die Beatles spielen 1960 in dem ehemaligen Strip-Club „Indra“ und danach im Kaiserkeller, wo zuerst nur Seemänner, Rowdys und Trinker zum Stammpublikum zählen. Die FabFive, bestehend aus John, Paul, George, Stu und Drummer Pete Best, spielen 8 Stunden täglich bis zum Umfallen, Alkohol, Sex und Drogen im verruchten Reeperbahn-Viertel St. Pauli tun ihr Übriges.

 

Bei einem ihrer Auftritte taucht eine ganz in schwarz gekleidete, elitäre Gruppe von Hamburger Existentialisten (kurz „Exis“ genannt“) auf, darunter der Grafiker Klaus Voormann (der später Beatles-Cover designte und den Trio-Hit „Da Da“ konzipierte) und die blonde Fotografin Astrid Kirchherr, in die sich damals jeder verliebte. Nach anfänglichem Zögern entflammt Astrid in Liebe zu Stu, eine Situation, die John Lennon zuerst nicht gutheißt. Warum, das bleibt ein Rätsel. Wegen der Band, aus Eifersucht oder weil er selbst homoerotische Gefühle zu seinem besten Freund hegt ? Fakt ist: Stu vernachlässigt bald die Band und widmet sich der expressionistischen Malerei, während die Beatles mit Tony Sheridan „My Bonnie is over the Ocean“ einspielen und bald im „Top Ten“ und dem angesagten „Star Club“ residieren. Astrid Kirchherr schießt die ersten Beatles-Shots und kreiert durch ihr Umfeld den neuen „Pilzkopf“-Look der Liverpooler Arbeiterkinder.

 

Die Liebesbeziehung zum „fünften Beatle“ (die in dem kürzlich erschienen Comic-Roman „Baby´s in Black“ von Arne Bellstorf skizziert wird), wird allerdings brutal beendet - nach mehreren Zusammenbrüchen stirbt Sutcliffe am 10. April 1962 an einer Gehirnblutung in den Armen von Astrid – er wird nur 21 Jahre alt. Im selben Jahr unterschreiben Lennon & Co. mit dem neuen Drummer Ringo Starr einen EMI-Parlophone Plattenvertrag, ihre erste Single „Love me do“ belegt Platz 17 der UK-Charts. Der Rest ist Legende...............

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