„Mysterious Man“ – Die bizarre Lebensgeschichte von „Mr. Wikileaks“, Julian Assange.

22 James Bond-Verfilmungen flimmerten bislang über die Kino-Leinwände, die wohl bizarrste und mysteriöseste ist (noch) ungedreht und entspricht der hypeerfüllten Trademark „Reality-Trash“: Die Lebensgeschichte von Julian Assange aka Mastermind von Wikileaks, jener Internet-Plattform, die es sich zum Ziel gemacht hat, geheim gehaltene Dokumente politischen, diplomatischen oder ethischen Interesses zu veröffentlichen. Die Devise: „Die Presse befreien, Missstände aufdecken und Dokumente retten, die Geschichte machen“.

 

Assange, der Mann mit den schneeweißen Haaren, der in seiner medialen, extravaganten Erscheinung fast ein bisschen an „Mr. Subway“ Christopher Lambert erinnert, wurde – der Legende nach – 1971 in Townsville an der australischen Ostküste geboren. Die Eltern lernten sich „standesgemäß“ bei Protesten gegen den Vietnamkrieg kennen. Nach deren Trennung soll die Mutter den Direktor eines Wanderzirkus (!) geheiratet haben, man streifte als Hippie-Nomaden durch Australien und wohnte auf einer kleinen Insel namens Magnetic Island. Assange verglich seine Kindheit mit der von Tom Sawyer – „Ich hatte ein Pferd, baute mir ein Floß, angelte und durchsuchte Minen.“ Eine maßlose Untertreibung – die Mutter lernte nämlich einen neuen Mann kennen, einen brutalen Musiker, der einer finsteren Sekte angehörte. Und so befand man sich nach einer weiteren Trennung – Falco-like – „auf der Flucht“. Assange besuchte laut eigenen Angaben 37 Schulen und 6 Universitäten.

 

Bereits vor seinem Physik-Studium an der Universität Melbourne verschaffte er sich als „Mendax“ (lat. Lügner) massive Geltung in der Hacker-Community – als Teenager soll er sich bereits in den Computer der US-Raumfahrtsbehörde NASA gehackt haben. Wegen 24 illegaler Hackattacken wurde er Anfang der 90er zu einer Geld- und einer bedingten Haftstrafe verurteilt. Zuviel Dirty Dancing machten ihn in den 80ern zum Jung-Vater, die Mutter erst 16, später führte er mit ihr einen erbitterten Sorgerechtskampf. Privat liest er gerne Bücher von Franz Kafka und dem Sowjet-Literaturrebellen Alexander Solschenizyn und unternimmt gewagte Touren (wie eine Motorradfahrt durch Vietnam). Bis 2006, dem Geburtsjahr von Wikileaks, war Assange als Journalist und Berater für Computersicherheit tätig.

 

Philosophisch steht Assange den Ideen des Krypto-Anarchismus nahe, der von einer Informations-Asymmetrie zwischen Staat und Bürgern ausgeht. Während der Staat große Teile der Kommunikation seiner Bürger überwacht, versucht er gleichzeitig, viele Informationen vor diesem geheim zu halten. Das Internet könne mit seinen technischen Fähigkeiten diese Asymmetrie umkehren, indem öffentliche Dokumente publik gemacht werden. Ein unscheinbarer, homosexueller Soldat soll mit einem „Lady Gaga“-CD-Trick Wikileaks u.a. hochbrisante Videodaten aus dem Irak-Krieg (Schüsse des US-Kriegshubschraubers „Apache“ auf Zivilisten) und eine Viertelmillion interne US-Diplomatenberichte übermittelt haben.

 

Assange, der seine Spuren „wie ein Drogendealer“ verwischt, wurde einige Tage später in London verhaftet. Wegen Hochverrats oder Verrats von Staatsgeheimnissen ? Nein, wegen Vergewaltigung (!). In Schweden soll der selbsternannte Informationsaktivist Sex mit 2 Frauen gehabt haben, einvernehmlich, aber ohne Kondom. Das hohe Land im Norden ist liberal im journalistischen Quellenschutz, radikal aber im Sexualrecht. Die beiden Engerln, enttäuscht von Assanges sexuellen Umtrieben, mutierten – von Eifersucht getrieben – zu Bengerln und gingen gemeinsam (!) zur Polizei, Interpol sucht nach einem geplatzten Kondom. Die Rache einer Frau gefährlicher und effektiver als die US-Staatsmacht ? Quod erat demonstrandum.

 

Die dezentral, virtuell organisierte Plattform Wikileaks, die 2009 den Media Award von Amnesty International bekam, wird dieser „coitus interruptus“ aber nicht stoppen – die Nachfrage nach Enthüllungen geheimer Dokumente, Intrigen und Gaunereien ist stärker denn je. Auch in kleinen österreichischen Gemeinden, wo illegale Postenbesetzungen, Nepotismus, finanziell unterdotierte Grundstücksverkäufe, gesetzwidrige Vergabe öffentlicher Aufträge, vertuschte Subventionen, horrende Zusatzgehälter und Bevorzugung parteinaher Unternehmer an der Tages- und Nachtordnung stehen. Oder im Assange-Jargon: „Wenn wir das Bild einer Gipfelbesteigung verwenden wollen, befinden wir uns gerade im Basiscamp.“

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