"Hello South Africa" - Oliver´s WM-Blog (1) !

“Hello Afrika, tell me how you´re doin, hello motherland, tell me how you´re doin” – die Hommage des singenden Zahnarztes Dr. Alban an seinen Heimatkontinent gilt wohl auch als Kardinalsfrage im Rahmen der am 11. Juni eröffneten 19. Fußballweltmeisterschaften in Südafrika. Noch bis 1994 herrschte im südlichsten Staat Afrikas das unmenschliche, rechtsnationale System der Apartheid und der Rassentrennung, bis die ersten freien Wahlen den 27 Jahre inhaftierten Bürgerrechtskämpfer Nelson Mandela zum Staatspräsidenten kürten und eine mit jeglichen Grundrechten ausgestattete Verfassung beschlossen wurde.

 

Die formelle Gleichheit bedeutet aber noch lange nicht faktische Gleichheit – mehr als 50 % der südafrikanischen Bevölkerung, vornehmlich Schwarze, leben unter der Armutsgrenze in sogenannten Townships und Homelands. Die reiche, weiße Klasse lebt inmitten von Sicherheitszäunen und bewacht von Security-Trupps in eigenen Wohnvierteln, den Compounds, und scheut die Konfrontation mit der Armut, die einhergeht mit einer immens hohen Aids-Rate und brutaler Kriminalität. In Südafrika passieren täglich 50 Morde, die Chance für eine Frau, vergewaltigt zu werden, ist höher als lesen zu lernen.

 

Die aufgrund ihrer ethnischen Vielfalt und mannigfaltigen Kultur bezeichnete „Rainbow Nation“ befindet sich auch 16 Jahre nach Abschaffung der Rassentrennung in einem gefährlichem Tanz auf dem Vulkan. Shakira, Ronaldo, Rooney, Messi & Co. werden dies nicht ändern können. 31 Tage lang werfen die Stars des runden Leders eine sportliche Glitzerkugel auf die dunklen Schatten Südafrikas – Rechtsradikale Agitationen der weißen Farmer, brennende Abfallberge (wegen Nichtfunktionierens der Müllabführ), Zwangsabsiedelungen insolventer Mieter in desolate „Tin Can Cities“, eine rigorose Abschottung der WM-Zone für die FIFA-Sponsoren und eine Verdrängung der Einheimischen in „African Villages“ und Fan-Parks, wo die Reichen der Welt sich nicht einmal unter der Fittiche des amerikanischen Marinecorps hineintrauen.

 

Die Vuvuzelas, die nervtötenden Blechtrompeten mit Lärmwerten über 120 Dezibel, werden trotzdem lautstark erdröhnen. Sie gelten als Symbol des südafrikanischen Fußballs und indirekt auch als Symbol dafür, den Weg aus den Slums zu schaffen. Einer dieser talentierten Straßenfußballer von einst, Siphiwe Tshabalala, brachte beim Eröffnungsspiel gegen Mexiko die Südafrikaner mit einem wunderschönen Schuss in Führung. Das Spiel endete durch einen strategischen Abwehrfehler zwar 1:1, die ganze Welt drückt den Bafana Bafana (= „unsere Jungs“) aber weiterhin die Daumen. Und der ganzen Rainbow Nation, dass vom Glanz der Weltmeisterschaft auch etwas auf die arme Zivilbevölkerung abfällt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Vincent (Mittwoch, 18 Juli 2012 16:33)

    Fine post dude