„Zurück in die Zukunft“ – Sozialdemokrat Dr. Resch neuer Bürgermeister von Krems.

Krems sind wir alle zusammen“ – leicht esoterisch klangen die ersten Worte des neuen Kremser Bürgermeisters Reinhard Resch, der nach 57 Jahren schwarzer Macht-Herrschaft die ÖVP an der Spitze der Donaumetropole abgelöst hat. Vorgängerin Inge Rinke, bei der konstituierenden Sitzung des neuen 40köpfigen Gemeinderates nicht mehr anwesend, wurde von Resch gelobt – „Sie habe ihr Amt mit allen Fasern ihrers Körpers ausgeübt“. Ob ihr das die 15 verbliebenen ÖVP-Gemeinderäte am Abend ausgerichtet haben ?

 

Fakt ist: Der Kremser Primar bekam im ersten Wahlgang 30 von 33 gültig abgegebenen Stimmen, somit die absolute Mehrheit. 3 Stimmen erlangte – vermutlich von den 3 FPÖ-Mandataren – Nationalrat Dr. Walter Rosenkranz. Da Rot und Schwarz gemeinsam 31 Mandate erreichen, hat zumindest ein Mandatar der „neu-alten“ Koalition Resch die Stimme nicht gegeben.

 

Zum 1. Vizebürgermeister wurde Rinke-Nachfolger Mag. Wolfgang Derler gewählt, zum 2. der pensionierte Kriminalbeamte Gottfried Haselmayer. Die beiden Vizebürgermeister gehören rechtlich und funktionell auch zum 10 Mitglieder zählenden Stadtsenat, der ebenfalls aus dem Kreise des Gemeinderates gewählt wurde. In diesem Gremium haben die Fraktionen nach den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts ein Vorschlagsrecht. Die SPÖ stellt 5 Mitglieder (Vize Haselmayer, Diplomkrankenschwester Hollerer, Forstmeister Dr. Chaloupek, Pensionist Scheichel und Unternehmer Kiesling), die ÖVP 4 (Vize Derler, die Professorinnen Wegl und Schopper bzw. Baumeister Krammer) und die FPÖ Unternehmensberater Dr. Werner Friedl. Auffällig die Dichte pragmatisierter Lehrer bei der ÖVP, gleich 3 von 4 Stadträten sind Professoren. Ein Wink aus St. Pröllistan vom ÖAAB ? Denn bei der „ersten“ Lesung der Kandidaten stand auf dem (falschen) Papier von Resch noch der Winzer Fritz. Wurde der kurzfristig entfernt und durch Schopper ersetzt ?

 

Der Altersschnitt im Stadtsenat beträgt 58,2 Jahre, im Gemeinderat tummeln sich im rot-schwarzen Lager vorwiegend ÖBB-Beamte, Unteroffiziere, Lehrer, Parteiangestellte, Magistratsbedienstete, Kammerfunktionäre, einen baptistischen Kirchengründer (sic est), sozialdemokratische Freiheitskämpfer, Ehefrauen (von ÖVP-Granden) und (Früh)-Pensionisten. Der 79jährige Parteistratege der SPÖ, Charly Blecha, hätte seine Freude an dieser „Zukunftsmischung“. Aber keine Angst: Die beiden Jungmandatare Kerstin Schmidt (SPÖ) und Georg Mantler (ÖVP) durften bereits „prekäre“ Beschäftigungs-Luft schnuppern und die Wahlurnen halten.

 

Gewählt wurden abschließend noch die 7 Mitglieder und Ersatzmitglieder des Kontrollausschusses, in der auch Vertreter der FPÖ, der Grünen und der KPÖ gewählt wurden. Über den Vorsitz wird erst in der nächsten Sitzung Ende November entschieden. Dort erfolgt auch die Wahl der Mitglieder der Gemeinderatsausschüsse (wie z.B. Kultur und Tourismus, Finanzwesen, Bauwesen, Verkehr, Gesundheit). Sehr fraglich ist, inwiefern die neuen (rot-schwarzen) Mitglieder des Gemeinderates diese Ausschüsse mit Inhalt füllen werden. Von einem Großteil der neuen Mandatare hat man während des ganzen Wahlkampfes keine einzige politische Aussage gehört, weder persönlich, noch in den Medien, noch auf Facebook. Die Selektion ist – brutal gesagt – ein Armutszeugnis, eleganter formuliert „culpa in eligendo“.

 

Sei´s wie´s sei: Der neue Bürgermeister Resch verspricht in einem ersten ORF-Interview ein Stadtentwicklungskonzept, die Wiedereinführung eines Baudirektors (auch ein FPÖ-Vorschlag, allerdings bei gleichzeitiger Abschaffung des unfähigen Gestaltungsbeirates), einen eigenen Gemeinderatsausschuss für Bürgerbeteiligungsmodelle und ein „einfaches und faires Parksystem“ bis Juni 2013. Ob das der (tatsächliche oder vermeintliche) Koalitionspartner ÖVP (bzw. der „Onkel aus St. Pölten“) auch so sieht – immerhin hat die Parkmisere den Schwarzen die Führung in der Donaumetropole gekostet. Die Würfel sind noch lange nicht gefallen...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0