40 Kremser Gemeinderäte kurz vor der Angelobung – „Die Besten oder die Richtigen ?“

Es war am Samstagvormittag vor der Kremser Gemeinderatswahl. Die junge ÖVP-Kandidatin Sabrina A. machte mit ein paar anderen Youngsters Werbung für die Rinke-Liste 1. Meine Wenigkeit verteilte gemeinsam mit dem FPÖ-Team rund um Walter Rosenkranz vor der Firma Krenneis Promotion-Material, Kugel-schreiber und Feuerzeuge. Mein Zitat damals zu Sabrina: „Ihr seid sympathische, intelligente, junge Leute. Aber nicht ihr werdet von eurem Engagement profitieren, sondern die Clans, Old Boys und Günstlinge der ÖVP.“ Nichts anderes ist (leider) eingetreten.

 

Im auf 15 Personen dezimierten Gemeinderatsteam der ÖVP tummeln sich zumeist Personen, die beim Wahlkampf nicht präsent waren oder in Verwandtschafts- und Günstlingsbeziehungen zu ÖVP-Granden stehen (und daher natürlich bei einem partiellen Vorzugsstimmenwahlkampf privilegiert sind). Man findet dort die Ehefrau von IMC-Chef Boyer (der „grauen Eminenz“ der Kremser ÖVP), die Ehefrau des geschäftsführenden ÖVP-Parteiobmanns Graf (der in seiner ambivalenten Funktion als GEDESAG-Chef noch 4 Tage zuvor parteipolitische Briefchen an die Mieter und Eigentümer der GEDESAG-Wohnungen verschickt hat), aus dem St. Pöltner-Regierungsviertel die Landesgeschäftsführerin der ÖVP Frauen NÖ und einen Beamten aus dem Frauenreferat der Landesregierung (von beiden gab es keine einzige politische Message während des Wahlkampfes), dazu noch ein Vertreter der rumänischen Baptistengemeinde (?), pragmatisierte Beamte, Lehrer. Der seltsam blasse Jugendkandidat fällt auf Facebook nur durch Schiffahrts-Fotos auf – von progressiven Visionen keine Spur.

 

Um keinen Deut besser das SPÖ-Team. Dort ortet die baldige Junggemeinderätin Kerstin S. eine „neue politische Kultur“. Was sie tatsächlich dort findet, ist das übliche rote Sammelsurium an ÖBB-Beamten, Lehrern, Magistratsbediensteten, Pensionistenvertretern und Kämmerern. Die neue Nr. 2 der SPÖ ist Krankenschwester der Volkshilfe, vermutlich ein Personalwink an den Präsidenten der Volkshilfe, Ewald Sacher, seines Zeichens Multifunktionär und SPÖ-Nationalratshinterbänkler. Vater und Sohn S. sitzen beide im Gemeinderat – die rote Familia muss zusammenhalten. Und wie immer auch dabei ein Mitglied der Familie Bergmaier, diesesmal Musiker Klaus Bergmaier, Du&Du-Freund Gusis & Werners und außerdem Bezirksvorsitzender der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer und Antifaschisten.

 

Bester Ansprechpartner Bergmaiers wird wohl KPÖ-Urgestein Franz Kral sein. Gemeinsam können sie dann am 1. Mai die sowjetische Flagge über dem Cafe Berger hissen. Aber bitte nicht die rechte Hand heben, sonst landet man schnell vor dem Untersuchungsrichter, wie einst in den 90ern ein prominenter Unternehmer-Sohn. Mit den Hammer- und Sichelträgern ist nicht zu spaßen.

 

Sandra Mayer vertritt – neben Amadeus-Inhaber Michael Putzgruber – die Interessen der Grünen im Gemeinderat. Von ihr weiß man politisch nur, dass sie mit den Blauen nicht kann. Das dürfte bei derartiger Toleranz wohl auf Gegenseitigkeit beruhen. Dem UBK-Team Krumbholz & Garecs musste man dagegen – bereits im lange vorbereiteten Wahlkampf - auf jeden Fall Engagement und Motivation zusprechen.

 

Kompetentester Vertreter im Gemeinderat ist wohl Dr. Walter Rosenkranz, seit 1987 im Gemeinderat, Nationalratsabgeordneter und Vorsitzender des parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Ihm zur Seite Ex-Eybl Geschäftsführer Dr. Werner Friedl, zuletzt Obmann des Kontrollausschusses, und die frische, politische Neueinsteigerin Ulla Oswald. Ob die aufstrebende FPÖ ihre modernen Visionen im Gemeinderat durchsetzen kann, bleibt angesichts manch zweifelhafter Personalauswahl der Konkurrenzparteien abzuwarten.

 

Jörg Haider wurde in den 90ern oft (zu Recht oder zu Unrecht) „culpa in eligendo“ vorgeworfen, zu deutsch „Auswahlverschulden“. Er castete seine „Buberl- und Mäderlpartie“ zumeist auf dem Montecarlo-Platz in Pörtschach, in schicken Cocktail-Treffs. Sein Team entsprach aber zumindest dem modernen Zeitgeist. Was man in Krems nicht unbedingt behaupten kann...

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