„Mut statt Wut“ – HC Strache stellt Führungsanspruch beim FPÖ-Neujahrstreffen in der Salzburg-Arena.

2005 wurde Heinz Christian Strache in der Salzburger Arena zum neuen Parteiobmann der FPÖ gekürt, die damals aufgrund der Querelen von Knittelfeld und Jörg Haiders BZÖ-Absplitterung nur bei 3 % hielt. Heute, 7 Jahre später, sprechen die aktuellen Umfragen von Prozentwerten zwischen 25 und 30 % mit dem Ziel „bestimmende Kraft“ im Land zu werden. Dementsprechend lud die FPÖ auch 2012 im Rahmen des traditionellen Neujahrstreffens ihre Funktionäre und Anhänger in die mit blauen Planen und österreichischen Fahnen dekorierte Salzburger Arena am Messegelände.

 

Um die 3000 Gäste standen Spalier und applaudierten beim Einmarsch von HC, NR-Präsident Graf, Redenschreiber Kickl, Generalsekretär Vilimsky & Co., darunter auch eine Kremser Delegation mit dem Nationalratsabgeordneten und Untersuchungsausschuss-Mitglied Walter Rosenkranz, dem Ex-Kremser F-Obmann Christian Hrubesch und dem Mauterner F-Gemeinderat Anton Brustbauer. Von einer linksorientierten Demo mit angeblich 150 teilweise vermummten Teilnehmern war vor der Halle nichts zu sehen, die wurde von der Polizei rechtzeitig abgedrängt, um Eskalationen zu verhindern.

 

Otto Konrad schoss einst Austria Salzburg 1994 sensationell ins UEFA-Cupfinale, dessen Tribute-Song an eine goldene Lehener Fußball-Ära, „Wir sind die Sieger“, bildete die musikalische Kulisse für den offiziellen Beginn des Neujahrstreffens, das zuvor bereits mit Schlager-Gassenhauern a la „Fürstenfeld“ und „I sing a Liad für di“ von der John Otti Band angeheizt wurde. Nach einer einleitenden Rede von Andreas Schöppl sorgte das F-Urgestein Karl Schnell, der durch einen Hotelbrand in Saalbach finanziell schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, für den ersten Lacher im sitztechnisch überfüllten Saal der Salzburg-Arena: „"Unsere Regierungspolitiker sind wie der Kapitän der Costa Concordia. Noch schnell die Rolex schnappen und dann als Erster ins Rettungsboot fallen.“

 

Zu den Klängen von Helene Fischers Schlager-Pop-Hymne „Du bist ein Phänomen“ betrat dann Heinz Christian Strache das Redepult und konnte naturgemäß die Erwartungen des Publikums erfüllen. Gewettert wurde gegen die ORF-Zwangsgebühren, aber auch die rot-grüne Journalistenclique des ORF. „Das Volk“ sei die beste Rating-Agentur, „Die Regierung hat von der eigenen Bevölkerung schon längst Ramschstatus erhalten und solle in die Fastenzeit geschickt werden.“ Bundeskanzler Faymann wird wegen seiner F-Ignoranz kritisiert und weil er seine gefälschten Facebook-Freunde mit der Wirklichkeit verwechselt. Zukunft und Heimat dürften nicht den „unfähigen Schießbudenfiguren von Rot und Schwarz oder den Bankdirektoren“ überlassen werden.

 

Strache warnt insbesondere vor dem Euro-Kollaps und dem drohenden Austritt von Griechenland und Portugal aus der Euro-Zone und fordert mehr direkte Demokratie. So sollen bei einem von mehr als 4 % unterstützten Volksbegehren (der Eintrittsgrenze für eine Partei in den Nationalrat) eine Volksbefragung über diesen Gegenstand angeordnet, deren Ergebnis dann verbindlich – ähnlich der Schweiz – von der Bundesregierung umgesetzt werden muss. Eine Subventionsbremse des gigantischen Betrages von 18,5 Milliarden Euro auf 3 % des BIP soll – ebenso wie die 599 Vorschläge des Rechnungshofes - das Budget entlasten. Der Höchststeuersatz soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro zur Anwendung kommen, allerdings soll die Gruppenbesteuerung, bei der internationale Konzerne inländische Gewinne mit ausländischen Verlusten verrechnen können, auf einen Zeitraum zwischen 3-5 Jahren limitiert werden. So bezahlte die Raiffeisenbank Österreich 2010 bei einem Gewinn von 600 Millionen Euro nur 14 Millionen Euro Steuer, was einem Steuersatz von lächerlichen 2,3 Prozent entspricht.

 

Als Probleme unserer Zeit nannte Strache „"Massenzuwanderung, Islamismus, Kriminalität (540.000 Straftaten 2011 !!!!), Arbeitslosigkeit, Armut, die prekäre Lage des Mittelstands und der kleinen und mittleren Unternehmen, ein Bundesheer, das einen Wehrdienstverweigerer durchleiden muss, die Frage der Neutralität, Korruption, Energieversorgung, die Perspektiven der Jugend, die Lage der Familien.“ Es gebe immer mehr frustriert-aggressive Wutbürger, die die Freiheitliche Partei kanalisieren müsse, so frei nach dem Motto „Mut statt Wut“.

 

Wer auf den Gipfel will, muss bereit sein, auch Schweiß zu vergießen.“ – so Strache in einem seiner Schlussworte an die begeisterte Audienz, die sich dann massenhaft um den F-Obmann bezüglich Autogramme und Erinnerungs-Fotos drängt. Klar ist: Es wird auch im nächsten Jahr wieder ein Neujahrstreffen der FPÖ geben. In welcher Funktion Österreichs derzeitig führender Oppositionspolitiker tätig sein wird, wird sich zeigen. Einige führende Funktionäre prophezeien sogar eine Neuwahl im Juni 2012, um die Folgen des „grauslichen“ Februar-Sparpakets von Rot-Schwarz kommunikationstechnisch zu kaschieren. Aber bereits da ist jedes Ergebnis möglich...

Kommentar schreiben

Kommentare: 0