Lizenz-Krieg zwischen AKM/GEMA und YouTube – Kein Guetta-Video für österreichische und deutsche House-Fans.

Mit Spannung fieberten die Millionen David Guetta-Fans dem neuen Video „Where them Girls at“ entgegen, ein Teaser mit dem Konterfei des französischen House-Stars und seltsamen Seifenblasen machte zusätzlich Appetit auf die visuelle Umsetzung des Dancefloor-Fillers. Am World Premiere-Tag allerdings stieß man auf der YouTube-Vevo-Page auf einen schwarzen Bildschirm mit dem Text „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“. Auch auf der Website der Guetta-Vocalistin Nikki Minaj wurde das Video innerhalb kürzester Zeit gesperrt. Wer steckt hinter diesem länderspezifischen Boykott, der auch die deutschen Nachbarn umfasst ? David Guetta wegen zu geringer Gage ? Die Plattenfirma wegen spezieller, nationaler Marketingstrategien ? YouTube, um vielleicht bald Pay on Demand-Angebote für sophisticated Clips schmackhaft zu machen ?

 

Keineswegs, dahinter stecken die rigiden Paragraphenritter der Verwertungsgesellschaften GEMA und AKM, die die musikalischen Aufführungs- und mechanischen Vervielfältigungsrechte der Komponisten, Textdichter und Verleger von Musikwerken vertreten. Da es weiterhin keinen Lizenzvertrag zwischen YouTube und den Gesellschaften bezüglich der Sendung von Videoclips gibt, werden seit einigen Wochen frequenzstarke Clips wie von Guetta, der Swedish House Mafia oder Milk & Sugar auf dem Videokanal gesperrt. Dies geht insofern einfach vonstatten, als YouTube bei offensichtlicher Verletzung des Urheberrechts die Titel unverzüglich nur unter Nennung der URL sofort blockiert.

 

Die Plattenfirmen sind über diesen kleinlichen Krieg, der den betroffenen Künstlern auch (ungerechtfertigte) Sympathieeinbußen einbringen kann, logischerweise nicht erfreut: „Es gebe offenbar kein Interesse daran, werbefinanzierte Musik-Streaming-Dienste wie Vevo, YouTube und Spotify zuzulassen.“ Schuld sei die altertümliche Organisation der Gesellschaften: „Alles muss durch ein Nadelöhr, den Gema-Aufsichtsrat. Einige Mitglieder scheinen noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen zu sein.“

 

Dies gilt ebenso für die Verteufelung von Peer-to-Peer-Netzwerken und für die Kriminalisierung illegaler Downloader. Anstatt sich für eine Kulturflatrate (von ca. 10 Euro pro Internet-Anschluss) stark zu machen, rudern die Rechtegesellschaften noch immer in Gewässern von Massenklagen, Digital Rights Management und diktatorischer Nutzungskontrolle und minimieren dadurch indirekt die Umsätze ihrer Künstler und Autoren. Die Zukunft schrankenloser Kunst im digitalen Zeitalter werden sie aber nur mehr befristet verhindern können...

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