Faschingsdienstag 2011 – Apres Ski-„Klamauk“ und Disco-Zombies in der Kulturmetropole Krems.

Er ist die personifizierte Form des Kremser Faschings 2011, ein betrunkener, blondhaariger Jugendlicher, der um halb 11 nachts zusammengekauert vor der Eingangstur zur ehemaligen Wohnung von Wolfgang Schüpany seinen Rausch ausschläft. Jenem Ex-SPÖ-Gemeinderatsabgeordneten, der wegen Alkohol- und Lärmexzessen seine Wohnstätte am Pfarrplatz aufgegeben hat.

 

Am Faschingsdienstag wären seine lautstarken, manchmal übertriebenen Proteste mehr als gerechtfertigt gewesen – ein gewisser DJ Marco, seines Zeichens Ischgler Kuhstall-Apres Ski-Ikone, bedröhnte – wie letztes Jahr in „Amadeus“-Uniform – mit unerträglichen „Wo ist die Party“-„Zicke Zacke“-Wortsalven und mit Unterstützung des regional berüchtigten Schlagermethusalems DJ Hugo die zumeist betrunkenen Faschingsnarren. Der Sound: Wolfgang Petry-Gejaule, „Wir wollen die Eisbären sehen“-Geheule und der wohl schrecklichste Ballermann-Hit der Saison, „Ich bin Solo – Scheiß egal“, eine Adaption von Rod Stewarts Edelballade „Sailing“, laut dessen „Sänger“ Mickie Krause „ein Song, den jeder mitsingen kann, selbst wenn er hackedicht ist“. Letzteres war wohl auf dem Pfarrplatz die Regel und nicht die Ausnahme. Mitleid mit den dort arbeitenden Gastronomen kommt hier allerdings nicht mehr auf, da es sich bei diesem Open-Air-Event um ein fast zehnjähriges Deja Vu voller Geschmacklosigkeit handelt.

 

Im Vergleich dazu war der traditionelle Faschingsumzug am sonnigen, warmen Nachmittag eine Darbietung erster Klasse. Zwischen Wiener Brücke und Pfarrplatz tanzten die jungen Ladies von Gooseflesh in sexy Polizeiuniformen, präsentierte sich das Fitness-Studio Active City als Kuhherde inmitten von Strohmist oder marschierte die Kremser Landjugend auf als „Austria´s next TOP Winzer“. Der schaurige Sensenmann der Paintballer sorgte auch am Abend im Marquee für Schrecken und Angst. Unterschwellig der Look der Kremser Banker als Piraten – dazu wäre in Zeiten internationaler Bank- und Spekulationskrisen wohl keine Verkleidung notwendig gewesen. Weiters vertreten bei den 32 Wägen u.a. Phone 4 you, der Judo Verein Krems, die Fun Gitarrenschule, die HIT FM-Matrosen, die Firma Brantner ebenfalls als Piraten verkleidet, Harry´s Gastro-Glatzen und Judith Aigners plakative letzte Fahrt mit der Wachaubahn. Den Schluss des Umzugs bildeten nicht wie sonst die trendigen Clubbing-Trucks von Star Night Club oder Spotlight, sondern die (nicht als solche verhüllten) „Disco-Zombies“ vom Millennium Krems, einer Diskothek, die seit 13. 7. 2007 geschlossen hat und deren Protagonisten seither mehr auf Gerichts- und Ediktsseiten zu finden sind als in den Event-Kalendern der Szene-Gazetten. Die rustikale „Oida Taunz“-„Spritztour“ sorgte durch eine massenhafte Flyer-Verteilung (für eine sonderbare Reinkarnations-Party kommenden Samstag in der Römerhalle) auf den Straßen der Altstadt für mehr Umweltverschmutzung als die rauschigen Teenie-Kids der Donaumetropole.

 

In einigen Karnevalshochburgen gibt es die Tradition, dass um Punkt Mitternacht des Aschermittwochs eine Strohpuppe, der sogenannter Nubbel, als Verantwortlicher für alle Laster der Faschingstage verbrannt wird. Es wäre vielleicht an der Zeit, derartige Bräuche zu adaptieren – für die Verantwortlichen derartiger Veranstaltungen am Rande des geistigen Schwachsinns. Kann man nur hoffen, dass die spanischen und italienischen Austauschstudentinnen vom IMC aus Entsetzen über diesen Apres Ski-Mist nicht schnurstracks Richtung Heimat abgereist sind und morgen wieder zu coolen House-, Disco- und Reggaeton-Vibes in der Und Lounge lebenslustig antanzen.....

Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Georg (Donnerstag, 10 März 2011 11:31)

    Wirst du vom ach so tollen "Starnightclub/Undlouge-Team" bezahlt für deine Artikel? Bin jetzt kein Fan vom dem Trubel in der Stadt am Faschingsdienstag, aber bei dir sind immer alle anderen Veranstaltungen schlecht, nur SNC und UndLouge sind toll.
    Aber SNC ist eh toll, der Spritzer fast 4€ und dafür einen Wein verwenden der wahrscheinlich irgendwo weggeschüttet worden ist!!! Von dem rest will ich gar nicht reden, tolle Veranstaltung.

  • #2

    Kevin (Sonntag, 08 Januar 2012 11:16)

    Ich kann den vorschreiber nur recht geben, deine hetze gegen den umzug ist lächerlich, alleine deine facebook einträge die nun fast täglich sind find ich ja fast schon lustig(neid? das du keine 1500€ bekommst wenn du mal auflegst)
    du unterstützt auch ein lokal in krems das nur überlebt weil an kids ausgeschänkt wird, und da wirst sicher auch nichts bekommen dafür!
    kannst stolz sein auf dich, einfach lächerlich!!!!!

  • #3

    Oliver Plischek (Montag, 09 Januar 2012 10:42)

    Wenn man (aufgrund der geistigen Kompetenz) nicht fähig ist, einen Text zu erfassen, dann sollte man ihn gar nicht kommentieren. Es wird hier nicht der Umzug kritisiert, sondern das "musikalische" Rahmenprogramm mit dem Kuhstall-Gröler DJ Marco (Neuer Song "Heli-Heli-Helicopter")und dem Schlagerjockey Hugo. Peinlich für eine Kunst-, Tourismus- und Studentenstadt wie Krems. In allen Lokalen, wo ich unterwegs bin, gilt das NÖ. Jugendgesetz - unter 16jährigen wird kein Alkohol ausgeschenkt. In der Und Lounge ist Eintritt ab 18.....