„Bunga Bunga“ oder „Der italienische Polit-, Sitten- und Kulturverfall“.

Dieser ganze Gossip, gegen den sich Menschen wie mein Mann mit Anwälten verteidigen müssen, ist doch verrückt. Das ist wie im Fall Silvio Berlusconi - ob der jetzt mit drei oder fünf Mädchen Sex gehabt hat oder nicht, das ist doch egal, solange die Politik im Lande in Ordnung ist.“ Diese Aussage kann nur von einer Person kommen, die sich auf das „Dolce Vita“ beschränken sollte und sich aufgrund ihrer grenzenlosen Naivität politischer, kultureller oder sozialethischer Aussagen entschlagen sollte: Fiona Pacifico Griffini-Grasser (aka Swarowski), ihres Zeichens Gattin des schönsten Finanzministers und größten Unschuldslammes aller Zeiten. Im Vergleich zum italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist er das vermutlich sogar.

 

Seit Jahren kämpfen in Bella Italia junge, parteiunabhängige Aktivisten für die Absetzung dieses undurchsichtigen, schleimigen Multimillionärs, der sich der schweigenden Masse noch immer als „einer von uns“ verkauft, mit Steuervergünstigungen, Law&Order-Policy und staatlichen Arbeitsprogrammen punktet und mit seiner Mitte-Rechts-Koalition noch immer auf 47 % der Stimmen kommt. Nicht einmal mehr als 1 Million demonstrierende Römer, organisiert durch die Facebook-Wellenbewegung „Popolo Viola“, können Berlusconi zum Rücktritt zwingen, zuletzt im Dezember 2010 scheiterte ein Misstrauensvotum gegen den Popolo della Liberta-Vorsitzenden im italienischen Parlament knapp.

 

Der Lebenslauf des italienischen Ministerpräsidenten liest sich wie ein „Paten“-Dreigroschenroman – Jura-Studium, dann Unternehmensgründungen en masse (mit ungeklärter Finanzierung und Geldwäscheverdacht), 5 Kinder aus 2 Ehen, als Privatvergnügen ein prominenter Fußballclub (AC Milan), Mitglied einer Freimaurerloge, mafiöse Verbindungen – erst zuletzt wurde ein enger Studien- und Parteifreund deswegen zu 7 Jahren Haft verurteilt – , Rechtsbeugungen als persönliches Leitprinzip (Zitat: „Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat“), dutzende Gerichtsprozesse wegen Schmiergeldzahlungen, Meineid und Steuerbetrug, eine seit den 80ern systematisch aufgebaute Mediendiktatur mit Einfluss auf die öffentlichrechtliche RAI und Privateigentum am größten Konkurrenzsender Mediasat. Laut den „Reportern ohne Grenzen“ belegt Italien aufgrund mafiöser Gruppen hinter Ghana und Mazedonien (!) nur mehr Platz 49 im Pressefreiheits-Ranking und gilt insofern nur mehr als „partly free“.

 

Dem 74jährigen (!) Berlusconi ist das alles Schnuppe, er wählt Abgeordnete und Ministerinnen nach ihrer Schönheit aus und feiert mit minderjährigen Prostituierten „Bunga Bunga“. What´s that ? Laut dem Online-Wörterbuch „Urban Dictionary“ eine äußerst brutale Anal-Massenvergewaltigung, die sich auf einen Witz (siehe unten) bezieht, laut Berlusconi ein Ritus in Gaddafis (!) Harem und die Tradition, sich nach dem Abendessen junge Mädchen („besser schöne Frauen ansehen als schwul“) zwecks erotischen Desserts ins Separee einzuladen. Auf die Erotik würden die Frauen wohl gerne verzichten, auf das Escort-Geld von um die 5000 Euro pro Abend wohl weniger.

 

Nicht nur die Modeindustrie und die Clubbingveranstalter (Star Night Club dieses Wochenende) sind bereits auf den „Bunga Bunga“-Trend aufmerksam geworden, sondern auch das Pornobusiness. Im März erscheint der von der deutschen Magma Film produzierte Sexfilm „Bunga Bunga Presidente“ – im Mittelpunkt ein 17jähriges Mädchen, das mit dem Gesetz in Konflikt kommt, Hilfe von einem reichen Politiker bekommt und sich auf „eindeutige Art“ dafür bedankt. Der „ficktive“ Streifen mag ja ganz lustig sein, in der Realität soll ein Politiker Vorbild, Visionär, Meinungsführer und Staatslenker sein und kein skandalträchtiger (alternder) Lüstling ohne Respekt vor dem Gesetz, den Medien und dem Staatsvolk. Dies gilt allerdings nicht nur für Italien. Womit wir wieder beim Beginn der Story wären.....

 

Bunga Bunga – Der Witz: Zwei Entdecker werden in Afrika von einem Stamm gefangen genommen. Der Häuptling fragt sie: «Wollt ihr Bunga Bunga oder den Tod?» Der erste Entdecker sagt: «Ich will leben, also Bunga Bunga.» Daraufhin wird er vom ganzen Stamm anal vergewaltigt. Dem zweiten Entdecker stellt der Häuptling die gleiche Frage. Dieser antwortet: «Ich wähle den Tod!» Daraufhin schreit der ganze Stamm: «Er will den Tod, Tod durch Bunga Bunga!»

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