Blue Deja Vu – HC Strache-Triumph bei Wiener Wahl, Demokratie im tiefen Fall !

2. Todestag von Jörg Haider am 11. Oktober, einen Tag nach der Wiener Wahl 2010, doch der Name des freiheitlichen Shooting-Stars der 80er und 90er verschwindet nicht aus den Schlagzeilen. 1996 erreichte der Wahlkärntner aus Bad Goisern mit der FPÖ bei den Wiener Landtagswahlen 27,9 %, 3 Jahre später vor Bildung der international und von linken Kräften geächteten schwarz-blauen Koalition bei den Nationalratswahlen 26,9 %. Und dezenniell grüßt das Murmeltier.

 

Heinz Christian Strache, der 2005 zum neuen Bundesparteiobmann der nach der Spaltung schwer beschädigten FPÖ gewählt wurde, wird im „roten Wien“ mit gigantischen 27 % Stimmenzweiter und sorgt für die längst fällige Machtzertrümmerung einer von Freunderlwirtschaft, Postenschacher, Korruption, Mediendominanz und Allmachtspräpotenz gekennzeichneten Sozialdemokratie, die mit nur 44,3 % ihre absolute Mehrheit (nur mehr 49 von 100 Mandaten) verliert und für die Aufrechterhaltung ihres linken Netzwerkes einen duldsamen Koalitionspartner braucht (den sie in dieser Form hoffentlich nicht findet).

 

Hauptgrund für den großen Wahltriumph der Freiheitlichen (plus 12 %) soll die Ausländerhetze sein, was allerdings weit gefehlt ist. Es ist vielmehr der Mangel an Lebensqualität, der sich in den Wiener Bezirken durch die fehlende Integration zugewanderter Unterschichtclans vorwiegend aus der Türkei ausbreitet. Es kann österreichischen Familien nicht zugemutet werden, dass „ihr“ Gemeindebau von muslimischen Migranten (ohne Bildung, Anpassungsfähigkeit und westlichen Anstand) übervölkert wird und die Österreicher sich wie „Fremde im eigenen Land“ fühlen. HC Strache hat mit (teils medial übertriebenen) Botschaften gepunktet, die auch in unserem – von Rechtspopulisten „verschonten“ Nachbarland Deutschland – „state of art“ sind. Vielleicht gerade deswegen verschont, weil dort Klartext geredet wird. „Skandal“-Buchautor Sarrazin wird von der CDU in höchster Weise gelobt, der türkische Europaminister Bagis fordert an die Deutschen türkischer Herkunft: „Lernt Deutsch, passt euch den Sitten und Gebräuchen an. Und haltet die Gesetze ein, denn wenn „Ali“ oder „Achmed Schlimmes tun, werden die Menschen nicht nach Namen suchen. Sie werden sagen – der Türke war´s.“

 

Würde der HC diese Diktion führen, dann würde wohl wieder die Faschismuskeule ausgeholt. Häupl hat zumindest wahltechnisch seine Ohrfeige für die mangelnde Integrations- und Schulpolitik in der Bundeshauptstadt kassiert, zu befürchten ist für die Zukunft aber folgendes italienisches Zitat: „Es muß sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.“ Oder in alpenländisch: „Egal, wie gewählt wird, es kommt immer rot-schwarz“.

 

Um weiterhin den prallvollen, roten Machtbauch aufrechtzuerhalten, lehnt der majestätsbeleidigte Häupl eine Zusammenarbeit mit den einzigen Wahlgewinnern, der FPÖ ab, und dürfte eine Koalition mit der schwer zertrümmerten ÖVP (13,3 %, das schlechteste Ergebnis aller Zeiten) eingehen. Deren Spitzenkandidatin Marek mit wahlbetrugsreifen „Presse“-Inseraten am Montag nach der Wahl „glänzt“ und sich schon seit Wochen an die Sozialdemokraten als „Vizebürgermeisterin in spe“ anbiedert. Letztere Schuld trifft leider auch die grüne Leading Lady Maria Vassilakou (12,2 %) – allerdings wäre eine Koalition mit den jung-urban-intellektuellen Grünen (die in Neubau weiterhin den Bezirksvorsteher stellen) eine progressive Zukunftsvision für die Stadt Wien. Was im schicken Barcelona, in München oder Zürich funktioniert, kann doch auch in einer Tourismus-, Kultur- und Bildungsmetropole wie Wien funktionieren. Wenn der zumindest früher politisch mutige Bürgermeister Häupl den traditionellen, rot-schwarzen Proporzpfad verlässt, dem Rat seines Sohnes folgt, die „rot-grüne“ Karte zu ziehen und in Wien für neue Akzente und Problemlösungsalternativen sorgt.

 

Ansonsten hat in der Bundeshauptstadt bald das Achterl ausgespielt, und der „Blue Curacao“ wird zum neuen Stammgetränk der Wiener. Das Wählerpotential der Freiheitlichen ist laut Meinungsforschern noch lange nicht ausgeschöpft, Blaue Stimmenzuwächse gab es in Wien nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei den sonst eher „Mitte-links“-wählenden Frauen und bei den Migranten (16 %). Ein Dreikampf um Platz 1 bei den nächsten Nationalratswahlen 2013 erscheint durchaus möglich, vorher gilt es aber die letzte Macht-Bastion in der Alpenrepublik zu stürmen, die absolute Mehrheit des schwarzen Landeskaisers Erwin Pröll in Niederösterreich. Die Demokratie hat ihre letzte Chance noch nicht verspielt.

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