Wiener Wahl 2010 – „Sturm auf den roten Macht-Kreml“

„Sie ertränken Ihre ganzen Probleme in Weinseligkeit.“ Ich spreche über Ihre Konsumgewohnheiten auch nicht.“ Ein Dialog aus dem neuen dekadenten Hollywood-High Life-Roman „Imperial Bedrooms“ von Bret Easton Ellis ? Nein, einer der kommunikativen Highlights aus dem Wiener Wahlkampf, Tatort Wiener Stadthalle, ATV-Diskussionsrunde vor 2.000 gröhlenden Fans. Die Hauptkontrahenten: Der amtierende Wiener Bürgermeister Michael Häupl, ehemaliger Burschenschafter einer rechtskonservativen (!) Kremser (!) Studentenverbindung, dem man den schnellen Griff zum flüssigen Achterl aber nicht krumm nehmen darf, die Machtpräpotenz, die Freunderlwirtschaft (u.a. ist seine Ex-Lebensgefährtin die Vizebürgermeisterin), die miserable Integrations- und Schulpolitik und die Verluderung von Steuergeld (Stichwort: Skylink, Pratervorplatz, öffentliche Auftragsvergabe an SPÖ-Firmen, Werbeaufwand von 100 Millionen Euro jährlich) dafür umso mehr. Und der Herausforderer und legitime Erbe Jörg Haiders, Heinz Christian Strache, der laut Umfragen zwischen 19 und 25 % liegt und wegen der andauernden Drogen-Vorwürfe einen Harn- und Haartest durchführen hat lassen. Das Ergebnis der 4-cm-Haaranalyse (bei daraus resultierender viermonatiger Rückwirkung): Negativ. Das wird das hedonistische Clubbing-Volk aber nicht freuen. Immerhin war der „Wiener Blut“-Rapper im August 2010 in Ibiza, und dort gelten MDMA & Co. als „state of art“.

 

Sei´s wie´s sei. Die brutale Polarisierung zwischen Rot und Blau wird beiden Protagonisten massenhaft Stimmen bringen und lässt bei den schwarz-grünen Leading Ladies mehr als Stagnation in den Wähleranteilen nicht erwarten. Wobei gerade die scheinbar-urban-bürgerliche ÖVP einen strategisch erstreckenden Wahlkampf führt. Der rote Bürgermeister Häupl wird mit trendiger Sturm-Frisur auf einem schwarzen ÖVP(!)-Plakat dargestellt. Anstatt Wien als Wissenschafts- und Studenten-Metropole zu forcieren, fordert gleichzeitig die schwarze Ministerin Karl Studiengebühren und Eliten-Bildung statt Bildung für alle. Und die Spitzenkandidatin Marek biedert sich bei der SPÖ als Vizebürgermeisterin an und bezeichnet sich anmaßend in den TV-Diskussionen als „schwarze Lotsin für den roten Jumbo“.

 

Diese peinliche Anbiederung praktiziert leider auch die grüne Spitzenkandidatin (und griechische Migrantin) Maria Vassilakou, die sich ansonsten sympathisch und kompetent präsentiert. Ihre Vision für die Zukunft „Matura oder (gleichwertige) Lehre für alle“. Der dauernde Angriff von Glawischnig & Co. auf die FPÖ allerdings ist unnötig, dort sind für die Grünen keine Stimmen zu holen. Mit klaren, populistischen Messages a la „Das einzige sichere Atomkraftwerk der Welt steht in Österreich“ wie vom deutschen Grünen-Star Cem Özdemir allerdings schon. Die dortigen, umfrageerhobenen 24 % (noch vor der SPD) sind für die Wiener Grünen allerdings schon wegen parteiinterner Streitigkeiten ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Für die blauen Streitgenossen dagegen erscheint ¼ der Wählerstimmen durchaus im Bereich des Realisierbaren (Anm.: Haider hatte 1999 in seiner Hochblüte sogar um die 28 % in der Bundeshauptstadt.). Die von HC Strache telegen und zielgruppenfixiert angesprochenen Themen sprechen – trotz einiger Fehlschüsse (wie den peinlichen Comics), Übertreibungen und einem eklatant hohen Burschenschafter-Anteil bei der Kandidatenauswahl – dem „echten Wiener“ aus der Seele. Ausländer (vornehmlich aus dem islamischen Bereich) wurden im roten Wien viel zu schnell eingebürgert und in den sozialen Gemeindebau eingegliedert, Parallelgesellschaften mit ihren für westliche Verhältnisse seltsamen Riten und Ritualen vertreiben in bestimmen Wiener Bezirken die eingesessenen Alt-Wiener, Integrationswille gleich Null. 70 % der Strafgefangenen in Wien sind Ausländer, am Gürtel und nicht nur dort grassiert der osteuropäische Bandenterror, die Aufklärungsquote der Verbrechen beträgt nur 8 %. In vielen öffentlichen Schulen liegt der Anteil der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache bei über 50 %, teilweise sogar über 80 %, die Österreicher (darunter auch die Kinder HC Straches) stürmen die teuren Privatschulen.

 

Warum hier keine gleichmäßige Verteilung der Migranten auf die Wiener Bezirke vorgenommen worden ist, das steht nicht in den Sternen, sondern liegt in der Verantwortung der Wiener Sozialdemokraten. Die auch weiterhin nicht bereit sind, die Zustände zu ändern: Die lächerlichen Vorschläge reichen von „Hausmeister und Mediatoren für den Gemeindebau“, „(leistungsnivellierender) Gesamtschule bis 14“ bis hin zu einer (Wien gar nicht betreffenden), rechtlich unverbindlichen Volksbefragung über die Abschaffung der Wehrpflicht. Die von Michael Fleischhacker als „Panikattacke der SPÖ vor schlechten Wahlumfragen“ bezeichnet wurde. Jener Presse-Chefredakteur, der den öden Zustand der Wiener SPÖ auch als „intellektuelle Wüste“ metaphiert.

 

Das ist zumeist in den anderen Parteien nicht anders, aber es geht am Sonntag darum, die absolute Mehrheit einer Partei zu brechen. Die ähnlich – wie in Niederösterreich die ÖVP unter Herrschaft des „Landeskaisers“ Pröll – glaubt, über alles und alle mit ihrer präpotenten Allmacht drüberzufahren. „Morgen, ja morgen fang´ i a neues Leben an, und wenn net morgen, dann übermorgen oder zumindest irgendwann.“ Für das Ende der absoluten Parteimehrheiten in Wien und Niederösterreich gilt: Besser noch heute als morgen.

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