"VIVA ESPANA - GOODBYE ATZEN" - Oliver´s WM-Blog (10)

Spanien im Finale, Deutschland im Semifinale ausgeschieden. Überraschung ? Beileibe nicht. Denn das Orakel – in Form des Oktopusses Paul im Sealife Aquarium Oberhausen – hat gesprochen. Dieser wählte als Muschel-Dessert am Vorabend des Spiels jenes im spanischen Behälter und muss jetzt um sein Leben zittern – Facebook-Atzen fordern vehement „Die Scheißkrake hatte recht: Calamares für alle“ oder „Grillt den ollen Orakel-Tintenfisch ! Paul in die Pfanne !“, höchste spanische Regierungskreise senden Asylangebote für den Oktupus. Rolling-Stones-Ikone Mick Jagger dagegen dürfte beim WM-Finale Einlassverbot im spanischen Areal bekommen – seine favorisierte Mannschaft verlor bisweilen jedes K.O.-Duell.

 

Fakt aber ist: Beim Semifinal-Thriller in Durban zwischen Spanien und Deutschland ist mit der „Furia Roja“ die bessere Mannschaft aufgestiegen. Pedro, Alonso, Xavi, Iniesta & Co. spielten die Germanen und sogar die Public Viewer (trotz teils geringen Alkoholkonsums) schwindlig, eine Schwäche kann der brillante „Tiqui-Taca“ der Iberer aber nicht verhehlen – Verspieltheit bis zum Exzess und dadurch wenige Torchancen und Tore. So hatten nach hochkarätigen Chancen von Villa, Puyol und Pedro sogar die viel zu defensiv eingestellten Deutschen die Möglichkeit auf die Führung – Spaniens Tormann Iker Casillas allerdings wehrte den Schuss des neu eingewechselten Toni Kroos in der 69. Minute ab. Und in der 73. Minute sorgte der Kapitän des FC Barcelona, Carles Puyol, mit seinem zweiten Kopfball für den 1:0-Sieg der Spanier, der in den Schlussminuten ungefährdet blieb und eigentlich höher ausfallen hätte müssen. Die spanischen Fans hüpften enthemmt in die Fontänenbrunnen, Paraguay-Groupie Larissa entblätterte sich auch für die spanische Armada, nur die Atzen weinten hemmungslos oder verließen bleichgesichtig die Ballermann-Schinkenstraßen.

 

Und viele goutierten dies mit spöttischer Schadenfreude. Die junge, deutsche Mannschaft rund um Shooting Star Thomas Müller, Schweinsteiger, Özil & Co. hat sich durch ihren temporeichen Offensivfußball (vor allem gegen Argentinien und England) in die Herzen der Zuschauer gespielt wie noch nie bei einer WM. Die peinlichen deutschen Schlachtenbummler allerdings hasst man in ihrer Präpotenz, ihrer schlichten Primitivität und ihrer aufdringlichen Kollektivlautstärke im selben Ausmaß wie die Mallorquiner ihre touristischen Haupteinnahmequellen oder manch Österreicher den neonazistischen „88“-Rapid-Fankern. Martin Blumenau von FM 4 formuliert seine Freude über das Ausscheiden der Deutschen so: Es liegt an den Fans. Und zwar auch nicht an der intelligenten Minderheit, die sich über den Wandel des Teams und den daraus resultierenden Image-Twist im Klaren ist. Sondern an den anderen, den vielen Idioten, dem RTL-Live-Publikum, den Interview-Schnaken in den Public Viewing-Zonen, den Pochers und Raabs, den "ich liebe deutsche Land!" und "so sehen Sieger aus - schalalalalala!"-Krächzern und Grölern, kurzum der Masse an undifferenzierenden Deppen, die einen sportlichen Erfolg, der aus Intelligenz, Mut, Toleranz und Klasse gebacken wurde, wie ein Fass Sangria behandeln, mittels dessen man sich innerhalb kürzester Zeit den Allerärgsten ansaufen muss. Um danach alles, was in der Gegend rumsteht mit distanzlosem nationalistischem Scheißdreck zuzureihern. Und das dann eben auch noch in dieser lauten und so deutschen Nervigkeit.“ Dem deutschen Team allerdings gehört in dieser Form die Zukunft – Jogi Löw meinte im Interview: „Die Spanier (mit 7 Barcelona- und 3-Real Madrid-Stars) sind seit Jahren ein eingespieltes Team.“ Eine Vision, die auch er von der deutschen Mannschaft hat. Damit die deutschen Medien die Schlagzeile „Original schlägt Kopie“ in der Mottenkiste verrotten lassen können.

 

Spaniens Europameister treffen in ihrem ersten WM-Finale am Sonntag auf die Holländer, die in Kapstadt die Überraschungsmannschaft aus Uruguay mit 3:2 besiegten. Die Oranjes gewannen als einzige Mannschaft alle 14 WM-Spiele (inkl. der WM-Qualifikationsspiele) und sind seit 25 Spielen ungeschlagen. Teamtrainer Bert van Marwijk, ein enger Freund des Salzburg-Trainers Huub Stevens, erklärt dies mit einer neuen Strategie im ehemals nur offensiv angelegten niederländischen Fußball: „Ich liebe Angriffsfußball, aber ich habe versucht, diesem Team auch Verteidigung zu lehren. Wenn der Gegner den Ball hat, dann muss man zusammenarbeiten. Gelingt das, kann man weit kommen.“ Bei der WM in Südafrika ist dies auf jeden Fall gelungen – Kapitän Bronckhorst mit einem sensationellen 38m-Weitschuss, Torjäger Snejder und Bayern-Star Robben scorten für die Holländer im Semifinalthriller gegen die letzten Südamerikaner im Bewerb, die mit den Anschlusstreffern von Forlan und Pereira sogar noch für Spannung sorgten. Holland stand bisher zweimal im Finale einer WM – 1974 (1:2 gegen die Deutschen trotz Neeskens-Führungstreffer) und 1978 unter dem österreichischen Trainer Ernst Happel. Dort vergaben die Oranjes in der 90. Minute beim Stand von 1:1 gegen Argentinien den Matchball, Rensenbrinks Schuss ging nur an die Stange, in der Verlängerung verloren die Holländer 1:3. 32 Jahre später soll das Projekt „Fifa World Cup“ nun klappen, Porno-Star Bobbi Eden verspricht als Special Aphrodisiakum bei einem holländischen Sieg Free-Blow Jobs für alle Followers.

 

Die ganze Welt freut sich am Sonntag auf das WM-Finale Spanien gegen Holland in der Soccer-City von Johannesburg. Nur einer sorgt für außerfußballerische Schlagzeilen – Cristiano Ronaldo, der plötzlich Vater eines Kindes wurde. Die Mutter: unbekannt. Böse Zungen munkeln, eine Leihmutter (ohne Anspruch auf sein Vermögen) oder ein Party-Girl, das mit 12 Mio Euro Schweigegeld höchstspendabel abgespeist worden ist. Nevermind – Hauptsache, seine Frisur sitzt richtig.

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