"We all speak South Americano" - Oliver´s WM-Blog (5)

Es ist Halbzeit bei der Fußball-WM in Südafrika, die 2. Runde der Vorrunde (32 der 64 Paarungen) ist vorüber, und es zeigt sich ein eindeutiger Trend in Richtung der südamerikanischen Kicker: 10 Spiele, 8 Siege, 2 Remis – die fast makellose Bilanz der South Americanos (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Chile).

 

Brasilien besiegte in der Gruppe G die enttäuschenden Ivorer mit 3:1, zwei Tore (eines davon mit der „heiligen Hand Gottes“) steuerte der Confederation-Cup 2009-Torschützenkönig Luis Fabiano bei. 2 Treffer wurden aufgelegt vom spielerisch wenig überzeugenden Real-Star Kaka, der nach einem dummen Foul die rote Karte sah. Neben Brasilien wird in dieser Gruppe mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Portugal aufsteigen – nach einem 7:0-Phalanxsieg gegen die jetzt vermutlich um fußballerisches Asyl ansuchenden Nordkoreaner müsste die Elfenbeinküste in ihrer letzten Begegnung gegenüber der Selecao einen „Tordifferenz von minus 9“ aufholen. Punkten können Ronaldo & Co. auch bei den Girlies auf Facebook – man liest dort nur von „Schnuckis“ und „Six-Pack-Schnitten“. Tja, Hauptsache die Einschaltquote stimmt.

 

In der Gruppe E sind die Holländer nach einem glanzlosen 1:0-Sieg gegen die Japaner fix im Achtelfinale, Torschütze Wesley Sneijder meinte in einem Interview, „das Niveau in der Champions League sei höher als bei der WM“, und hat bei manchen Partien damit sicher den Nagel auf den Kopf getroffen. Der WM-Viertelfinalist 1990, Kamerun, fährt heim, um den zweiten Achtelfinalplatz kämpfen Dänemark und Japan im direkten Duell. Aufgrund der schlechteren Tordifferenz (die nach der Punktezahl den 2. Gradmesser darstellt) müssen die Dänen am Donnerstag unbedingt gewinnen.

 

Katastrophale Schiedsrichterleistungen können den Ausgang eines Spiels und somit den Aufstieg in die nächste Runde mitentscheiden. Innovative Computerexperten schlagen ein System wie beim Tennis vor – lokale Ortungschips in den Schuhen der Fußballer und im Spielball sowie Rezeptoren rund ums Spielfeld könnten eine genaue Ortung diverser Faktoren wie die Feststellung einer Abseitsstellung ermöglichen und Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern ausschließen. So wie jene im Gruppe F-Spiel Italien gegen Neuseeland, als Shane Smeltz aus Abseitsposition das 1:0 für die Kiwis erzielte. Ausgleichende Gerechtigkeit – ein Elfmetergeschenk für die Italiener, die durch Vincenzo Iaquinta ein enttäuschendes Remis erreichten. Paraguay (und somit wieder ein südamerikanisches Team) führt in dieser Gruppe mit 4 Punkten, die Azzurri (bisher 2 Punkte) sollten aber gegen die bisher noch desolateren Slowaken im Drittrundenspiel keine Schwierigkeiten haben, die allerdings – ebenso wie die Neuseeländer - auch noch eine Aufstiegschance besitzen.

 

In 48 Spielen verloren die Spanier nur einmal, dann kam die Schweiz – ausgerechnet bei der WM – und brachte die „Tiquitaca“-Zauberer mit der Tor-Ladehemmung ins ängstliche Zittern. 2:0 im Zweitrundenspiel gegen Honduras, es hätten 10 Tore fallen können (und müssen). 2 Elfer wurden nicht gegeben, EM-Winner Fernando Torres, sichtlich noch nicht fit, vergab 2 hundertprozentige Chancen, Barcelona-Neuerwerbung David Villa scorte zweimal erfolgreich, vergab einen Elfmeter, schoss an die Latte und ..... schlug einem Honduras-Spieler – vom Schiedsrichter nicht beobachtet – ins Gesicht. Eine nachträgliche Sperre durch die FIFA-Kommission ist zu befürchten. Freitag geht es im hochspannenden Duell mit Chile (das die 70 Minuten mit 10 Mann kämpfenden Schweizer durch ein Tor von Mark Gonzales mit 1:0 besiegte) um den Aufstieg ins Achtelfinale. Spanien muss gegen die bisher spielerisch überzeugenden Südamerikaner unbedingt gewinnen (egal in welcher Höhe) und seine Abschluss-Schwäche abbauen. Sonst ist der Traum des Europameisters vom 1. spanischen Weltmeistertitel 2010 vorbei.

 

Wir fiebern auf jeden Fall den heißen Duellen der nächsten 4 Tage entgegen, im Geiste immer das Lieblingszitat der südafrikanischen WM-Discjockeys: „At the end of the day everything can happen, the ball is round, and it´s not over until the fat lady sings.“

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