"GOD IS A FOOTBALLER" - Oliver´s WM-Blog (2)

Die kürzlich verstorbene Punk- und Modeikone Malcom Mc Laren bezeichnete Fußballspiele als „die letzten Stammesrituale“. Die Starkicker seien die Magier und Ikonen unserer Zeit, im Stile einer Gottesanbetung. Vermutlich spielt dann der englische Teamtormann Robert Green in dieser religiösen Monumentalshow die Rolle des toten Lazarus. Dessen Auferstehung dadurch verhindert wurde, dass Jesus die Klagerufe seiner Schwester Maria Magdalena nicht gehört hatte. Die nervtötenden Vuvuzelas waren halt zu laut. Fakt ist: England verspielte durch diesen gigantischen Patzer des Westham-Goalies (66 Tore in der letzten Saison !) einen bis dahin ungefährdeten Sieg gegen die spielerisch unterlegenenen Amis, als Ersatz dafür gab es innovativ-verfälschte Punk-Zitate in den Schlagzeilen („God save our Green“) und immerhin einen Fußballsong auf Platz 1 der englischen Single-Charts. „Shout for England“ vom „Bonkers“-Protagonisten Dizzee Rascal hat allerdings – trotz Tears for Fears-Samplings - nur bedingt mehr Unterhaltungswert als die Bienenschwarm-Urtöne der Vuvuzelas.

 

Letztere gelten laut FIFA-Präsident Joseph Blatter als Teil der afrikanischen Kultur. Eine Aussage, die einer Kontinentsbeleidigung nahekommt, gibt es doch die 120-Dezibeltröten bereits um 8,99 Euro in billigen Sportartikelketten zu kaufen. Facebook-Gruppen fordern ein Vuvuzelas-Verbot, die Fernsehsender werden konfrontiert mit Beschwerden ihrer Zuschauer, haben aber auf die Außenmikrofone der Produktionsfirma keinen Einfluss und keinerlei Filtermöglichkeit. Die ausländischen Fans in Südafrika vermissen die Schlagkräftigkeit der Schlachtgesänge - der monotone Vuvuzela-Ton hat allerdings mehr Stil als ein prolliger Frauenarzt-„Was geht ab“-Furz der deutschen Ballermänner. Die Chefstrategen der Nationalteams beklagen die fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten im Spielaufbau, auch Christiano Ronaldo und Lionel Messi sind erklärte Gegner der Plastiktrompeten.

 

Wobei letzterer sich durch das Getröte nicht irritieren ließ und beim 1:0-Sieg der Argentinier gegen Nigeria eine Glanzleistung abgab. Mit ihm zurück im Big Business des Sports (und nicht in den Drogenhöllen der Camorra und in den Bordellklubs der „High“ Society) dessen Teamtrainer Diego Maradona, der 1986 durch ein Handstor im Viertelfinale gegen England den späteren Titel als „Hand Gottes“ vorbereitete und nach dem Doping-Ausschluss 1994 die Achterbahn des Lebens fast nur mehr abwärts fuhr. Ebenso überzeugend wie die Weiß-Himmelblauen die deutsche Nationalmannschaft, die mit dem jüngsten Team aller Zeiten einen klaren 4:0-Sieg gegen die Australier einfuhr. Wie hoch dieser Erfolg der Löw-Truppe zu bewerten ist, wird vor allem das Spiel gegen Ghana zeigen, das durch einen Hands-Elfer in einem ausgeglichenen Spiel Serbien 1:0 besiegte und für ekstatische Freudentänze auf dem afrikanischen Kontinent sorgte. Man überhörte glatt die Vuvuzelas, und das heißt etwas.

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