Wiener Neonazis im ORF-Schauplatz - Fremdschämen, Herr Waltz !

“In 50 Jahren gibt es keine reinrassigen Österreicher mehr”, “Hitler hat nix Falsches gemacht”, “Besser, meine Tochter hat einen Neonazi als Freund als an halberten Türken”, „Hast ka Kopftuch, kriegst ka Wohnung“ – einige Zitate aus der “Am Schauplatz”-Doku über zwei angeblich rechtsradikale Wiener in einem roten Gemeindebau. Angeblich deswegen, weil sie vermutlich aufgrund ihres minderen Intellekts nicht einmal wissen, was rechtsradikal ist. Nazi-Fahnen aus dem Internet, Lieblingsmusikrichtung „NSBM“ (alias NS-Black Metal), ein strammes „Heil“ zur Mutter als Morgengruß, eine kahlköpfige Frisur, die alle 3 Tage auf den „neuesten Stand“ gebracht wird und ein süßes Hündchen, das artig das rechte Pfötchen hebt. Alice im Wunderland lässt grüßen, auch die türkischen (!) Freunde, die bei den rechtsradikalen Protagonisten ein und aus gehen.

 

Welche Partei Kevin und Philipp wählen (falls sie ihr Wahllokal überhaupt finden): die FPÖ, obwohl die eigentlich viel fader sei als die rechtsextreme deutsche NPD. Trotzdem fuhr der ORF mit den lieben Gesellen zu einer Wahlkampfveranstaltung der FPÖ, zum HC Strache nach Wiener Neustadt, der dort mit einstudierten Phrasen wie „Wer sich nicht integrieren will, für den habe ich ein Reiseziel. Ab in die Heimat ! Guten Flug !“ die rechten Recken imponierte. Zumindest 4 Minuten lang. Der „Abendland in Christenhand“-Prediger hörte bei einer direkten Konfrontation mit den 19jährigen Neonazis Stimmen, der „Schauplatz“-Regisseur Ed Moschitz soll die Skinheads dazu animiert haben, „Sieg Heil“ zu schreien und den Arbeitslosen außerdem noch eine 80 Euro-Belohnung für diesen Sager versprochen haben. Anstiftung zur Wiederbetätigung ? Der zumindest rechtlich dem Objektivitätsgebot unterliegende öffentlich-rechtliche ORF streitet dies. Aussage gegen Aussage.

 

Fest stehen nur 3 Tatsachen: Der Oscar-Preisträger Christoph Waltz muss sich vor rechter Konkurrenz aus Österreich nicht fürchten. 16 Stunden Rohmaterial (davon 71 Minuten für den HC-Auftritt) für eine so lächerliche 30-Minuten-Dokumentation sind – ähnlich der horrenden Gagen für die Opernball-, Ski- und Showmoderatoren – ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler. Dass man die jugendlichen Neonazis drehbuchtechnisch in die Nähe des rechten Oppositionsführers platziert, darf den Heinz Christian – auch ohne Rosenkranz-, Graf- und Burschenschafter-Misere – aber keineswegs wundern. HC im Club 2: „Beim nächstenmal stellt mir der ORF einen Drogendealer hin“. Auch das ist nicht auszuschließen, solange der House-Club- und Ibiza-Fan weiterhin Stimmen hört.

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