Causa Lerchenfeld - Insgesamt 38 Monate Haft für 17jährigen "Merkur"-Einbrecher.

Gerichtsverfahren am Kremser Landesgericht gegen den 17jährigen "Merkur Markt"-Einbrecher R. aus Lerchenfeld, wo im August 2009 der 14jährige Mittäter Florian von einem Polizisten (in Notwehr oder Putativnotwehr ?) tödlich getroffen wurde. Letzterer Vorfall wird Anfang 2010 am unbefangenen Gericht Korneuburg verhandelt. Hier ging es um 4 Einbruchsdiebstähle, die der 17jährige Arbeitslose mit dem mitangeklagten, rumänischen Mittäter E. begangen hat. Wesentlich bei diesem Verfahren ist auch, ob Gewerbsmäßigkeit (und damit eine höhere Strafqualifikation) vorliegt, d. h. ob die beiden Täter die strafbaren Handlungen begangen haben, um sich dadurch eine fortlaufende Einnahmequelle zu verschaffen. Geld, das sie eigentlich dringend nötig hätten, bekommt doch der 17jährige nur 200 Euro AMS-Geld und der 28jährige Rumäne nur die Kinderbeihilfe (für 2 in Österreich lebende Kinder) und Geld aus Gelegenheitsjobs.

 

Während des Prozesses fällt öfters der Name "Stroil" - dieser Mann war augenscheinlich der Drahtzieher der verbrecherischen Taten und dürfte auf der Flucht sein. Bei Martin Negers "Ibiza"-Party war er jener Security-Mann, der den Clubbing-Veranstalter bei der Verfrachtung der 5.600 Euro-Geldbox beobachtet hat und den Auftrag für den Einbruch in dessen Auto gegeben hat. Der Angeklagte E. war hier lediglich als Aufpasser tätig. Auch beim tödlich endenden Merkur-Fall zog dieser Stroil die Fäden - er heuerte den damals 16jährigen Roland und den 14jährigen Florian an, versorgte sie mit Werkzeugen und Informationen, hielt sich aber bei der operativen Tätigkeit vollkommen heraus. Der 28jährige E. dagegen war beim Merkur-Einbruch nur "entfernter Beitragstäter" - er wolle mit einem 14jährigen keine krummen Dinger drehen und "spielte" daher - glaubwürdig - nur den telefonisch erreichbaren "Abholer". Und kam dadurch mit einem blauen Auge davon.

 

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Wittmann entschied, trotz entgegenteiliger Beteuerungen der Angeklagten und der Verteidiger mit Hinweis auf "spontane Aktionen", dass gewerbsmäßiger Einbruchsdiebstahl (§ 130 StGB) vorliegt. Der 28jährige E. wurde zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon 12 Monate bedingt. Als mildernd wurden dessen bisherige Unbescholtenheit und untergeordnete Tätigkeit bewertet, als erschwerend die Vorbildfunktion für jugendliche Kriminelle.

 

Knalleffekt dagegen beim 17jährigen Roland, der nach zwei brutalen Durchschüssen durch die Polizisten in die Beine lange im Krankenhaus lag. Das Gericht verurteilte ihn (trotz der JGG-Halbierung der Strafsätze) zu 18 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt, dazu kommt noch der Widerruf der vorliegenden bedingten Freiheitsstrafen in der Höhe von weiteren 20 Monaten. Er wandert also de facto 38 Monate in die Justizanstalt Gerasdorf. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, man hat Bedenkzeit erbeten.

 

Als erschwerend galten vor allem der schnelle Rückfall (nach einer 4monatigen Haft), die unzähligen Vorstrafen (darunter auch Körperverletzung, sexueller Missbrauch einer Unmündigen  oder Widerstand gegen die Staatsgewalt) und die fehlenden Zukunftsperspektiven. In der Justizanstalt solle er den Hauptschulabschluss nachholen und eine Lehre absolvieren, sonst drohe laut Richter Wittmann die "Stein-Karriere". Eine Urteilsbegründung, die auch der Promi-Anwalt Farid Rifaat (der bei diesem Prozess als Verteidiger des milde bestraften E. tätig war) im ORF-Interview vorsichtig anzweifelt. Ansonsten seien laut seiner Diktion derartige Verhandlungen an der gerichtlichen Tagesordnung. Nur aufgrund des Merkur-Todesschusses sei dieser Prozess im Blickpunkt der Medien. Deren Hexenzauber sich der Society-Anwalt aber auch nicht vorsätzlich entziehen will.

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