LIFE BALL 2009 - "Let Love Flow"

Am 29. Mai 1993 fand im - damals noch vom kürzlich verstorbenen Altbürgermeister Helmut Zilk regierten - Rathaus der 1. Wiener Lifeball statt, ein modernes schrilles Charity-Event für Toleranz, sexuelle Gleichstellung und den Kampf gegen die bis heute noch immer unheilbare Krankheit Aids. Organisator ist wie bei der Premiere noch immer der Ex-Visagist Gary Keszler, der 2008 das Goldene Verdienstkreuz der Republik Österreich überreicht bekam. Diesjähriges Motto ist "Let Love Flow", gleichzeitig 1. Teil eines vierteiligen Zyklusses, der sich mit den Kernelementen des Lebens, Wasser, Erde, Luft und Feuer beschäftigt. Das Wasser steht dabei für den Beginn des Lebens und der Evolution. Dementsprechend verzauberte man das Rathaus in ein lichttechnisches Wasserschloss inkl. einem riesigen Becken mit 2,5 Millionen l Wasser, in dem sich bei der Eröffnungsshow u.a. Neo-Single und Schwimmstar Markus Rogan räkelte.

 

Unter der Regie von Tanzschul-Legende Thomas Schäfer-Elmayer tanzten 100 Paare opernball-like auf dem Blue Carpet ein. 1 Paar davon war homosexuell, ein Hinweis darauf, dass 99 % der HIV-Infizierten heterosexuell sind und die Krankheit Aids keine "Schwulenpest" mehr darstellt, wie sie Anfang der 80er fälschlich bezeichnet wurde, als sie exzessiv in der Schwulen- und Drogenszene von Los Angeles und San Francisco auftrat. Stargäste auf der Red Ribbon-Bühne des Life-Balles waren dieses Jahr der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, leider ohne seine "Oral Office"-Praktikantin Monica Lewinsky, Desperate Housewive Eva Longoria und "Nanny" Fren Drescher. Musikalisch glänzten Ex-Eurythmics-Hälfte Dave Stewart (mit Cindy Gomez und dem Life Ball Anthem "I bring you Love"), Ex-Moloko-Vocalistin Roison Murphy ("The Time is now") und Superstar Katy Perry, die per Muschel auf die Bühne schwebte und ihre Hits "I kissed a Girl" und "Hot´n´Cold" präsentierte. Letzterer Auftritt war Teil der schrill-schrägen Fashion Show der "Blondes" aus New York. Das Motto von David und Philippe Blond, die auch privat ein Paar sind: "Man muss nicht blond sein, um blond zu sein." Mit von der Partie auch die Sex & The City-Ausstatterin Patricia Fields, die für ihre "Der Teufel trägt Prada"-Kreationen mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde. Auf der rutschigen Bühne tänzelten - zu New Yorker Gay House-Sound - u.a. Pamela Anderson (mit Ghettoblaster), Eva Padberg (mit erotischem Busenblitzer), Mirjam Weichselbraun, der neue Austro-Terminator Roland Kickinger, Germany´s Next Top Model Lena Gercke in extrem kurzem Mini-Rock, Ex-"Brillantin Brutal"-Falco-Partnerin Cordula Reyer und Gitta "Playmate of the Century" Saxx.

 

Nach der horny Eröffnung wurde noch bis in die frühen Morgenstunden im Rathaus und im Volksgarten weitergefeiert. Ob mit oder ohne Gummi, wer weiß das schon ? Eine Erkenntnis Niki Laudas, die ATV-Hi-Society-Star Dominic Heinzl fast die Akkreditierung gekostet hat. Was sehr schade gewesen wäre, denn der ORF leistete sich wieder Fauxpas de luxe bei der Life-Ball-Übertragung. Fast so peinlich und unästhetisch wie bei der Kakerlakenshow der Präsentator (!) "Kugelfisch" Dirk Bach, letztklassig die Interviewpartner (Goldberger, Lichter, Polster & Co.), skandalös der Ausstieg des ORF nach dem 1. Teil der Fashion-Show (zwecks Live-Übertragung der Wertungsmaschinerie des Songcontests, bei dem die einzige Eyecatcherin Dita von Teese mit dem deutschen Beitrag "Miss Kiss Bang Bang" nur den 20. Platz belegt hat). Skandalös auch insofern, als die Mode-Show außer den VIP-Gästen und den ORF-Zuschauern aufgrund der großen Entfernungen und der Strukturmängel bei der Location-Planung kaum jemand klar und deutlich gesehen hat.

 

Unabhängig davon, ob die Aids-Prävention oder die Anerkennung sexuell Andersartiger sich durch derartige Events überhaupt in die Köpfe der Menschen einprägt, weist leider auch das Konzept des Life-Balls so seine Mängel auf. So beträgt der Reinerlös dieses - leider schon mainstream- und politikerunterwanderten - Events lediglich 1,5 Millionen Euro. Diese Summe zahlt 2009 der Herr Mateschitz allein aus seinem Geldbörschen, ohne mit der Wimper zu zucken - und zwar an den Red Bull-Salzburg Meistertrainer Co Adriaanse. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

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