Donaufestival Krems 2009 - "Girl Monster Night"

"It´s a Man´s World" sinnierte Soul-Legende James Brown in einem seiner populärsten Songs. Beim Donaufestival in Krems war es Saturday Night aber anders - das Samstag-Programm stand unter dem Motto "Girl Monster Night" ganz im Zeichen der (schrägen) Frauen.

 

"Who am I to feel so free" stand auf einem Banner über den Köpfen der - aus der New Yorker Electro-Band Le Tigre- entstandenen Combo "MEN". Im Mittelpunkt die bei Peaches in die Schule gegangene Vocalistin JD Samson, die man mit Schnurrbart und kurzen Hosen auch für einen Mann halten könnte. Also strictly androgyn. Die Message eindeutig: "Take off your shirt" - die Hüllen fielen zwar noch nicht, die Hemmungen (nach Einnahme mancher Substanzen) zunehmends.

 

Schick und zurückhaltender die Pariser Indie-Band Koko von Napoo, deren Name einer berüchtigten Manchester Gang aus den 20ern entstammt. Französisch klingt auch dann verführerisch, wenn man Vanessa Paradis mit Electro-Wave-Sound unterlegt, vor allem dann, wenn die Drummerin ein progressives Bangles-Blondie-Look-a-Like darstellt. Seltsam dagegen anmutend das Londoner Noise Art-Projekt "Prick your Finger", bei dem die Strickerinnen Rachael Matthews und Louise Harries mittels Kassettenbändern und Webstühlen unorthodoxe Geräusche erzeugen.

 

"Fuck dat Shit"-Atmosphere beim Top-Act des Abends: Shunda K und Jwl B alias Yo ! Majesty aus Florida, Ikonen des Lesbian Hip Hop, betreten die Bühne und sorgen für ein explosives Rap-Feuerwerk in der ansonsten von Fetenhits und Dance-Kommerz sanft gestreichelten Österreich-Halle. In der Hitze des musikalischen Gefechts schmeißt eine der beiden Rapperinnen ihr Shirt in die Roadie-Ecke und präsentiert ihre üppigen Rundungen dem verblüfften, aber begeisterten Auditorium. Sensationell Mixmaster-DJ Cooks, der mit Old Street Hip Hop, "Push it", "Pump up the Jam" und "Roxanne" nicht nur die Yo ! Majesty - Girls in Fahrt bringt. Nach diesem Turbo Speed-Auftritt der US-Ladies ging es nicht nur mit den BPM´s bergab - Kurt Cobains Lieblingsband "Raincoasts" war mehr Folk als Neo-Punk, und das mit Spannung erwartete "Girl Monster Orchestra" um 1 Uhr Mitternacht, bei der in Form von Video-Performances auch masturbierende Frauen und Doppel-Penetrationen (in Bleistiftzeichnung ?!) vorgeführt wurden, begeisterte vorwiegend die stark vertretene Lesbian Community urbaner Metropolen. Faszinierend war die "Girl Monster Night" trotzdem.

 

Anm.:  FM4-Reporter Martin Blumenau ist kein Kremser - er entdeckte aber bereits nach dem 1.Tag, dass die einzigen Einheimischen beim Donaufestival 2009 (mit wenigen Ausnahmen) in der Gastro tätig sind ("unter den Besuchern nur 3 Fahrräder"), wobei ich als Kremser q.e.d. da nur zustimmen kann. Seine Diktion: Das Donaufestival ist ein UFO, das einmal im Jahr landet und ein paar forschende Individuen mitbringt. Zum Festivalort Krems besteht eine unsichtbare Sperre, die de facto nicht durchbrochen wird. Ebenso sonderbar das antiquierte Ausschank-System der ÖH-Gastronomie - Bestellen, Trinken und sich dann die 2 (!) Euro Pfand pro Flasche und Becher zurückholen. Laut Blumenau wie in der DDR-Hochblüte des Kommunismus. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Headphones (Mittwoch, 19 Oktober 2011)

    I am decide to put this into use one of these days.Thank you for sharing this.To Your Success!