Donaufestival 2009 - "Fake Realities" - Psychedelic Night !

"Fake Realities" - so das Motto des 5. Donaufestivals in Krems. Programmatische Basis des schrägen Events ist auch ein Zitat des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl "Die Wirklichkeit ist leider anders als die Realität". In diesem Sinne wurde vor der Österreichhalle ein Slum-Dorf errichtet, in der Künstler aus Kenia das afrikanische Alltagsleben in die Donaumetropole projizieren und in Interaktion mit den Besuchern des Festivals treten. Ob in einem echten Slum "Paper Planes"-Rhymes erklingen und deren Bewohner ekstatisch ins Glück tanzen, bleibt nicht nur dahingestellt, sondern soll den Besucher zu selbstreflektiertem Denken anregen. Was ist Fake ? Was ist Reality ? Ebenso wie die ästhetisch brillanten dreidimensionalen Videoinstallationen der russischen Künstlergruppe AES&F, in der sich leicht bekleidete Teenager vor einer Märchenlandschaft die Kehlen durchschneiden, ohne sich zu verletzen.

 

Musikalisch stand das Donaufestival am Donnerstag im Zeichen von Psychedelic - der französische Sound-Elektroniker Romain Turzi fabrizierte - umringt von Synthesizern - "roboter-artigen"-Kraftwerk-Sound. Zombie Zombie elektrisierten die Massen mit Minimal-Electro-Beats, unterbrochen durch "Lost"-Time Warps. In der Halle 1 purer, unerträglicher Experimental-Lärm von Black Dice und die Butthole Surfers, der Highlight des Abends. 1981 gegründet, dürfte diese Noise Rock-Fraktion aus Texas musikalisches Vorbild für Bands wie Oasis, Soup Dragons, Nickelback oder die jungen R.E.M. gewesen sein. Der Mitternachts-Gig vor gefüllter Location war auf jeden Fall mitreißend und kraftvoll.

 

Ein Großteil der Besucher, wenn nicht fast alle, stammte übrigens - wie üblich - nicht aus der Kremser Umgebung. Macht man daher eine professionelle Analyse über das Einzugsgebiet der Zuschauer, so wird es das Donaufestival wohl nicht mehr lange in Krems geben. Ein Künstler aus Kenia brachte es unbewusst auf den Punkt: "Im Vergleich zum Slum ist es hier so leise." Wer unter der Woche mal in Krems unterwegs war, der kann dazu nur bitter lächeln. Szene-Gastronomen oder Event-Veranstaltern vergeht dabei aber das Lachen.

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